4. Die Deutsche Hugenotten-Gesellschaft

Geschichtlicher Überblick
1. Hugenotten: Begriff und Definition
2. Die Geschichte der Hugenotten in Frankreich
3. Das internationale und das deutsche Refuge
4. Die Deutsche Hugenotten-Gesellschaft

Gründungsjahre

Im ausgehenden 19. Jahrhundert können wir so etwas wie eine Hugenottenrenaissance beobachten. Diese führte einerseits dazu, dass sich manche Hugenottennachkommen eingehender mit der Genealogie ihrer Vorfahren beschäftigten und andererseits international zahlreiche Hugenotten-Gesellschaften mit primär historischen Zielsetzungen entstanden. Man besann sich auf das hugenottische Erbe.

Gegründet wurden:

  • 1852 die Sociéte de l’Histoire du Protestantisme Français
  • 1878 die Commission pour l’Histoire des Eglises Wallones in Leiden
  • 1881 die Società di Studi in Torre Pellice für die Waldenser in Italien
  • 1883 die Huguenot Society of America
  • 1885 die Huguenot Society of London (heute of Great Britain and Ireland)
  • 1890 der Deutsche Hugenotten-Verein, der 1998 in Deutsche Hugenotten-Gesellschaft umbenannt wurde

Aber auch im 20. Jahrhundert wurden noch Hugenotten-Gesellschaften ins Leben gerufen, wie z.B. 1986 die Schweizerische Gesellschaft für Hugenottenforschung.

Und seit 1966 besteht in Paris das vom Deutschen Hugenotten-Verein mitbegründete Welt-Hugenotten-Zentrum, das alle drei Jahre an verschiedenen Orten hugenottischer Geschichte in Frankreich Treffen von Hugenottennachkommen aus aller Welt veranstaltet.

Aufgaben der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft

Die wichtigsten Aufgaben der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft lauten heutzutage:

  • Bewahrung und Förderung der hugenottischen Tradition in Deutschland
  • Erforschung der Geschichte, Theologie und Genealogie der Hugenotten
  • Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft
  • Zusammenarbeit mit hugenottischen Einrichtungen und Gemeinden im In- und Ausland
  • Hilfeleistung für Arme und Flüchtlinge (Diakonie)
  • Förderung der Verständigung zwischen den Völkern, Nationen und Religionen im Geiste gegenseitiger Achtung und Toleranz.

An diesen Punkten lässt sich ablesen, dass die Genealogie nur einen – wenn auch einen sehr wichtigen Arbeitsbereich – innerhalb der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft ausmacht.

Das Deutsche Hugenotten-Zentrum

Seit 1989 existiert in einer alten Tabakfabrik im hessischen Weserort Bad Karlshafen das Deutsche Hugenotten-Zentrum. Zum einen beherbergt es auf zwei Etagen das Deutsche Hugenotten-Museum. Dieses dokumentiert die Geschichte der Hugenotten und Waldenser in Frankreich und im deutschen Refuge, wobei Hessen-Kassel, Brandenburg-Preußen und Franken die Schwerpunkte bilden.

Weitere Hugenotten bzw. Waldensermuseen in Deutschland sind unter anderem noch das Hugenottenmuseum im Französischen Dom in Berlin und das Deutsche Waldenser-Museum in Ötisheim-Schönenberg bei Mühlacker.

Zum anderen ist das Deutsche Hugenotten-Zentrum in Bad Karlshafen auch das Domizil der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft e.V. Diese verfügt neben der Geschäftsstelle über eine viele tausend Bände umfassende Spezialbibliothek sowie ein Bildarchiv zur Hugenottenforschung.

Genealogische Forschung und Fortbildungen

Ferner befindet sich dort das genealogische Forschungszentrum der Gesellschaft, in dem auch regelmäßige genealogische Fortbildungen für die Vereinsmitglieder organisiert werden.

Dort befassen wir uns nicht nur mit den Hugenotten im engeren Sinn, sondern berücksichtigen auch weitere reformierte Auswanderergruppen, deren Quellen im französischen Staats-, Volks- und Sprachgebiet sowie in dessen kulturellem Ausstrahlungsbereich liegen.

Dazu zählen die bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus den damaligen Spanischen Niederlanden geflüchteten reformierten Wallonen, die aus dem Piemont vertriebenen Waldenser, die Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem südfranzösischen Fürstentum Orange ausgewiesenen Orangeois reformierter Konfession und die so genannten "Pfälzer", die oder deren Vorfahren reformierte Franzosen, Wallonen oder Waldenser waren.

Zuweilen zählt man sogar die Welsschweizer, die sich in Deutschland häufig den französisch-reformierten Gemeinden angeschlossen haben, die Graubündner oder die Mömpelgarder dazu.

Vorhandene Quellen

Vorhanden sind in Bad Karlshafen zahlreiche kopierte Kirchenbücher, Kirchenregister und Kolonielisten, Mikrofiches und –filme über hugenottische Einwanderer nach Deutschland, einschließlich der ehemaligen deutschen Ostgebiete. Auch von einzelnen französischen Gemeinden, wie z. B. Metz, liegen die Einträge vor.

Die in Bad Karlshafen einzusehenden Kirchenbücher umfassen einen zeitlichen Rahmen von der Einwanderung der Hugenotten ins deutsche Refuge bis ca. 1830. In Einzelfällen sind jedoch auch duplizierte Kirchenbücher neueren Datums vorhanden.

Ergänzt werden die Kirchenregister in Bad Karlshafen durch kirchliche und staatliche Amtsbücher unterschiedlichster Art. Dazu zählen primär die Protokollbücher von Presbyterien Französisch-reformierter Gemeinden oder die wichtigen Frankfurter Distributionslisten.

Letztere sind für die Erforschung der Migrationswege der Hugenotten von sehr großer Bedeutung. Denn sehr viele Réfugiés, die in der bedeutenden Drehscheibe Frankfurt am Main Unterstützung erhielten, wurden dort mit ihren Familienangehörigen namentlich registriert.

Ferner stehen im genealogischen Forschungszentrum Personenlisten hugenottischer Kolonien, Schifffahrtslisten, Zusammenstellungen von Einwanderungsgruppen sowie eine beachtliche Sammlung von Stammbäumen und genealogischer Forschungen zur Verfügung. Die Benutzung von Filmgerät und Computer ist nach Anmeldung möglich.

Datenbank

Um den heutigen Anforderungen der genealogischen Forschung nachzukommen, werden die vorhandenen Filme nach und nach abfotografiert und als Bilddateien in den Computer eingegeben.

Fachkundige Beratung wird vor Ort erteilt beziehungsweise an Sachbearbeiter für die einzelnen Regionen vermittelt. Dabei möchte ich jedoch nicht verhehlen, dass die große Zunahme an Anfragen in den vergangenen Jahren durchaus ein Problem für unseren ehrenamtlich arbeitenden Verein darstellt.

In den letzten Jahren hat das Genealogie-Team der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft vor allem an der Komplettierung einer hugenottischen Datenbank gearbeitet. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind fast 300.000 Datensätze eingegeben worden.

Es ist inzwischen möglich, mit Hilfe der Eintragungen in der Datenbank zahlreiche Anfragen, die an das genealogische Zentrum in Bad Karlshafen gestellt werden, zu beantworten.

Zudem soll diese Datenbank in die neue Museumskonzeption mit eingebunden werden. Allerdings bleibt bei detaillierten Forschungen immer noch viel zu tun, weil eine wie auch immer geartete Vollständigkeit in der Datenbank nicht erreicht werden kann. Deshalb bemühen wir uns, möglichst umfangreiches Quellenmaterial in Bad Karlshafen zusammenzutragen.

Veröffentlichungen

Zu den regelmäßigen Veröffentlichungen der Gesellschaft zählt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift HUGENOTTEN, die 1890 begründete wissenschaftliche Buchreihe der Geschichtsblätter der Deutschen Huge-notten-Gesellschaft sowie die Buchreihe der Tagungsschriften.

Letztere erscheinen anlässlich der alle zwei Jahre stattfindenden Deutschen Hugenotten-Tage, die in Orten stattfinden, in denen einst Hugenotten Aufnahme gefunden hatten.

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