1. Hugenotten: Begriff und Definition

Geschichtlicher Überblick
1. Hugenotten: Begriff und Definition
2. Die Geschichte der Hugenotten in Frankreich
3. Das internationale und das deutsche Refuge
4. Die Deutsche Hugenotten-Gesellschaft

Woher stammt der Begriff Hugenotten?

Der früheste Beleg der Bezeichnung "Hugenotten" findet sich in einer alten französischen Handschrift aus dem Jahr 1551. Darin werden Bilderstürmer als "böse Hugenottenrasse" bezeichnet. Doch woher stammt eigentlich der Begriff "Hugenotten" und was bedeutet er?

Schlägt man beispielsweise Meyers Großes Taschenlexikon (in 25 Bänden) auf, so findet sich darin die Information, dass der Name vom deutschen Wort "Eidgenossen" abgeleitet sei. Dieses entspricht der üblichen Auskunft, die man in deutschsprachigen Lexika seit langer Zeit erhält.

Vertreter dieser Ansicht sind davon überzeugt, dass dieses Wort die Protestanten als Partei des Genfer Reformators Johannes Calvin diskreditieren sollte.

Die gegenwärtige Hugenottenforschung hat sich jedoch von dieser Herkunftsbeschreibung weitgehend verabschiedet, ohne dass man eine eindeutige Antwort nach dem Ursprung des Wortes Hugenotten gefunden hat.

Manche Autoren verweisen bei der Begriffserklärung auf eine Lokalsage aus der französischen Stadt Tours. Ein Schreckgespenst, das sich nachts angeblich in den Straßen dieser Stadt herumtrieb, war der König Hugo. Um 1550 leistete sich ein katholischer Mönch in einer Predigt den Witz und bezeichnete die Evangelischen, die sich damals nur bei Nacht heimlich versammeln konnten, als kleine Hugos, als "Hugenotten".

Woher der Name auch immer stammt: Es ist festzustellen, dass sich dieser Spottname von Ort zu Ort verbreitete.

Anhänger des Reformators Johannes Calvin

Von 1560 an wird das Wort in ganz Frankreich gebraucht, und es verdrängt alle bisherigen Bezeichnungen für die Anhänger der evangelischen Lehre. Der reformierte Theologe Theodor Beza formulierte 1560 in Genf: "Man hatte in Lyon von Lutheranern oder, wie man sie jetzt nennt, Hugenotten reden hören."

Doch sind die Hugenotten, wie hier der Eindruck erweckt wird, Lutheraner? In der Tat beeinflusste zunächst der deutsche Reformator Martin Luther (1483-1546) durch seine Schriften die kirchenreformerische Bewegung in Frankreich. Folglich wurden die ersten Evangelischen von ihren Gegnern auch als luthériens bezeichnet.

Doch bald gewann die Reformationsbewegung in Frankreich mit dem Nordfranzosen Johannes Calvin (Jean Calvin,1509-1564) ihren prägendsten Kopf.

Calvin, der zusammen mit dem Zürcher Reformator Huldrych Zwingli (1484-1531) zu den bedeutendsten "Vätern" der reformierten Kirche zählt, war von Haus aus kein Theologe, sondern Jurist. Es ist also durchaus korrekt, wenn das eingangs zitierte Meyers Großes Taschenlexikon definiert, dass Hugenotten die Bezeichnung "für die französischen kalvinistischen Protestanten" sei.

Der Mithilfe Calvins verdankt die reformierte Kirche Frankreichs ihr Glaubensbekenntnis und die Kirchenordnung. 1559 trat die erste Nationalsynode zusammen. Im Unterschied auch zu den deutschen lutherischen Landeskirchen wurde bereits damals eine Kirchenverfassung mit weitestgehender Selbstverwaltung der Kirchengemeinden geschaffen.

Man entwickelte mit klarer Absage an jede kirchliche Hierarchie eine von Presbyterien und Synoden geleitete Gemeindekirche, in der es für Bischöfe grundsätzlich keinen Platz gab.

Ein krasser Gegensatz zur katholischen, aber auch zur damaligen lutherischen Kirche war die Beteiligung von Laien in kirchenleitenden Funktionen. Geleitet wurde jede Kirchengemeinde durch das von Gemeindegliedern auf Lebenszeit gewählte consistoire, das in etwa einem heutigen Kirchenrat vergleichbar ist.

Dieses ist zuständig für die religiös-kirchliche Selbstverwaltung, übt vor allem die Kranken- und Armenfürsorge und die so genannte Kirchenzucht innerhalb der Gemeinde aus.

Vom Spottnamen zum Ehrentitel

Lange Zeit blieb der Spottname Hugenotten eine Fremdbezeichnung. In Frankreich verstanden sich die Evangelischen selbst als Reformierte (réformés). Von Staats wegen galten die französischen Protestanten abwertend als Angehörige der religion prétendue réformée (RPR), was ins Deutsche übersetzt "angeblich reformierte Religion" bedeutet.

Tatsächlich bin ich beispielsweise bei der Auswertung der Archivalien der Französisch-reformierten Gemeinden in Celle und Lüneburg von 1686 bis 1805 niemals auf den Begriff Hugenotten gestoßen. Man nannte sich stets Französisch-Reformierte.

Wenn heutzutage alle Welt dennoch beispielsweise von Hugenotten (deutsch), Huguenot (französisch), Huguenots (englisch) oder Hugenoten (niederländisch) spricht, so ist das freilich nicht mehr diskriminierend gemeint. Der einstige Spottname wandelte sich zu einem Ehrentitel.

Als Selbstbezeichnung bürgerte sich der Name im großen Umfang freilich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Und es hat sich inzwischen auch in der Genealogie eingebürgert, die Nachkommen der französisch-reformierten Glaubensflüchtlinge allgemein Hugenotten-Nachfahren zu nennen.

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